Dieser Blog ist temporär nicht erreichbar. Diese Abschaltung soll auf die Menschen aufmerksam machen, welche am Netz gesellschaftlich teilhaben wollen - sich aber keinen Anwalt oder Anwältin
 leisten können für eine DSGVO-Rechtsberatung.

DSGVO-Abschaltung

Dieser Blog ist temporär abgeschaltet um innezuhalten. Die Abschaltung soll auf diejenigen aufmerksam machen, die das Web engagiert, kreativ und demokratisch als Kultur- und Bildungsraum mitgestalten.

Die Abschaltung ist allen Bürger*innen gewidmet, denen eine drohende Abmahnung mit 500,00 € Anwaltskosten schlaflose Nächte und Bauchschmerzen bereitet. Es ist allen Projekten gewidmet, die aus Furcht vor der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) beendet werden - und all den Projekten und Ideen, die vielleicht gar nicht erst verwirklicht werden. Es ist all denen gewidmet, die für ihre persönlichen Befürchtungen vor Abmahnungen oder anderen rechtlichen Konsequenzen belächelt werden und keine politische Rückendeckung für ihre Teilhabe im Netz erhalten.

Hätte ich einen Wunsch für das Web frei, würde ich das Abmahnwesen in Deutschland sofort reformieren, sodass die erste Abmahnungsmitteilung bei Rechtsverletzungen nur die zeitnahe Aufforderung zur Behebung enthält - und nicht direkt die Rechnung für Anwaltskosten.
Wer mir sagen kann, wie ich dieses Ziel erreiche: Bitte meldet euch bei mir via E-Mail oder Twitter!

Am besten fasst meine Enttäuschung der Netzkolumnist Sascha Lobo in diesem Kommentar zusammen (eine Antwort auf den Blogpost von Jan Philipp Albrecht, Europaabgeordneter):

Dein Text:
„Bei gewöhnlichen, digital aktiven Bürgern gilt der Datenschutz nur, wenn es keine private Tätigkeit ist. Und ja, wer gewerblich bloggt oder andere Dienste anbietet, muss sich an die Regeln halten. Das war aber vorher auch schon so, und es ist gut, dass jetzt an vielen Orten ein Datenschutz-Frühjahrsputz stattfindet und auch kleine Unternehmen, Vereine oder Blogger sich endlich mal Gedanken machen, welche Daten sie eigentlich erheben, warum, und ob das wirklich so nötig ist.“

Oh wow, was für eine Von-oben-Herab-Passage, die zeigt, dass Dich die Schwierigkeiten von kleinen Selbständigen wirklich nicht interessieren, warum auch immer. Du weißt so gut wie ich, dass eine „nicht-private“ Tätigkeit extrem schnell erreicht sein kann. Ein Buchempfehlungslink reicht, oder wenn man ein Blog führt, das zu einem im weiteren Sinn beruflichen Thema gehört. Dieses „die machen sich endlich mal Gedanken“, das ist so sagenhaft arschig, dass mir die Spucke wegbleibt. Als wäre das den Leuten vorher egal gewesen. Du verprellst hier sehr, sehr viele Menschen, die Dir vorher eher positiv gegenüberstanden, mich zum Beispiel.

Und Du hast offensichtlich wenig Ahnung vom Alltag digitaler Selbständiger und Klein-Agenturen. Ich selbst werde ein halbes Dutzend Digitalprojekte abschalten, weil die Umrüstung zeit- und kostenaufwändig ist und die Honorare dafür schon vor vielen Jahren geflossen sind. Bisher waren das interessante Archive und Informationsquellen, bald gibt es sie nicht mehr, denn ein vorher kleines Risiko ist zu einem großen geworden.

Das ignorierst Du alles, und schleuderst stattdessen den Leuten entgegen: Na denn beschäftigt Ihr Euch endlich mal damit! Du beschuldigst dann auch noch mich, unnötige Panik zu verbreiten, was wiederum eine Unverschämtheit ist, denn ich versuche in meinem Artikel ausgewogen zu formulieren und warne genau davor.

Die DSGVO ist hierbei nicht die urplötzliche Ursache, sondern für mich der Höhepunkt einer längeren Entwicklung, bei welcher das Web primär als kommerzielles Spielfeld von professionellen Unternehmer*innen verstanden wird.
Es ist jedoch meine feste Überzeugung, dass gesellschaftliche Teilhabe ohne Informatik- oder Jurastudium möglich sein sollte.

Matthias Andrasch, 16.05.2018


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Dieser Text ist freigegeben als CC0/Public Domain. Das verwendete Sharepic-Foto stammt von Kyle Loftus, Titel „Exploring the wild“ (via Unsplash).

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Quelle: https://www.e-recht24.de